Metamorphosen in homöopathischen Dosen

Feuilleton | Nicole Scheyerer | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Mit seinen Installationen in der Secession sucht Klaus Weber nicht nach Freiheit, sondern nach Auswegen

In Franz Kafkas Erzählung „Bericht für eine Akademie“ schildert ein Affe seinen Werdegang in der Zivilisation. Als er plötzlich im engen Käfig auf dem Schiff nach Europa saß, habe er nach einem Ausweg gesucht. „Ich habe Angst, dass man nicht genau versteht, was ich unter Ausweg verstehe“, betont der Affe. „Ich sage absichtlich nicht Freiheit.“ Mit dem Wunsch nach „Freiheit“ wäre er bloß auf der Flucht ertrunken oder erschossen worden. So aber kam ihm die Idee, die Menschen zu imitieren. Diese Anpassung öffnete ihm die Herzen seiner Gefängniswärter und schließlich auch die Käfigtüren.

Auf einem Foto in seiner Secessionsausstellung posiert Klaus Weber als Affe im feinen Zwirn. Mit vorgeschobenem Kinn sieht er aus, als hätte Kirk Douglas im Film „Planet der Affen“ mitgespielt. Der Ausweg von Kafkas Affen sei einer der leitenden Gedanken für seine Wiener Ausstellung


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