Stadtrand- Urbanismuskolumne

Das A und O der guten Umgangsformen

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

E s kommt mitunter vor, dass man etwas zu schimpfen hat. Weil dir als Radler einer hinterm Steuer frech die Vorfahrt nimmt. Weil der J-Wagen ausgerechnet dann losfährt, wenn man ihn noch erwischen wollte. Oder weil die Apotheke pünktlich um 18 Uhr zusperrt und das Fachpersonal statt Mitleid nur seinen Feierabend im Sinn hat – sogar wenn du wie wild mit einem Rezept für ein Mittel gegen einen ekligen Hautausschlag wedelst. In solchen Momenten kann es sein, dass Luftzufuhr alleine nicht ausreicht und man doch das böse Wort benutzt. Trotz aller guten Vorsätze, andere Leute nicht mehr Arschloch zu heißen – selbst wenn sie sich so benehmen. Der Alltagssituation angepasst wäre es allerdings, mehr oder weniger stimmlos zu schimpfen. Beziehungsweise darauf zu achten, dass sich der Adressat der Tirade sicher hinter Auto-, Straßenbahn- oder Apothekenscheiben befindet. Wer nämlich das Arschloch nicht hört, der sieht nur „A-O“. Und das kann schließlich alles bedeuten: Hallo zum Beispiel oder sogar bravo, ist das nicht nett? F


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