Straßenkunst und Schinkenröllchen

Stadtleben | Christine Baumgartner | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Graffiti hängen mittlerweile sogar in der Hofburg. Ganz legal. Ist die Untergrundkunst im Mainstream angekommen?

An diesem Tag stehen die barocken Flügeltüren der OSZE-Zentrale in der Wiener Hofburg weit offen. Die internationale Gemeinschaft lädt zur schicken Vernissage. Spinat- und Schinkenröllchen liegen auf großen Buffettischen bereit. Verkabelte Diplomaten laufen durch piepsende Metalldetektoren. Doch nicht flämische Porträts oder italienische Landschaftsbilder werden heute präsentiert: Es ist ein Wiener Graffitisprayer, der fünf seiner Werke auf weißen Leinwänden ausstellt. Richard Kästner, 27, ist nicht wie die vielen anderen, die nächtens am Donaukanal oder auf Favoritner Hauswänden ihre Spuren hinterlassen. Er wurde von der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, mit der künstlerischen Aufarbeitung der Themen Demokratie und Menschenrechte beauftragt. Mit Mitteln der Straßenkunst.

Vor drei oder vier Jahren hat Kästner sein erstes Graffito

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