Ins Mark- Der Kommentar zur steirischen Woche

Viel Spaß mit Susi!

Steiermark | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Schlimmer als Wahlkampfrituale sind eigentlich nur Nachwahlrituale. Die ernsten Blicke der Verlierer, des steirischen Landeshauptmanns (SPÖ) und seines Stellvertreters (ÖVP), Demut wollen sie signalisieren. Die Beteuerungen, man müsse einen kühlen Kopf bewahren, alles analysieren und besprechen, nichts überhasten. Am Tag danach ging’s schon wieder hastiger zu, die Regierung beschloss „neue Fahrzeuge für Rettungshundbrigade“ und die „Weihnachtszuwendung“ für Landesbeamte, danach sagten sich’s SPÖ und ÖVP auch schon wieder ordentlich rein. Dienst nach Als-sei-nichts-geschehen. Gute Nacht, Landtagswahl 2010.

Auch die Sieger übten am Wahlabend Demut, meinten das aber noch weniger ernst, wie man ganz gut an den Gesichtern von Gerhard „Kameradschaft 4“ Kurzmann (FPÖ) und Gerald „Wir säubern Graz“ Grosz (BZÖ) beobachten konnte, die in der Steiermark gemeinsam mehr Stimmen machten als die SPÖ. Oder danach bei der blauen Wahlparty in der „Wartburg“, im Haus der lustig säbel- und bierkrugschwingenden Allemannen. Fröhliche Menschen, auf deren schwarzen T-Shirts in Fraktur der Schriftzug „Rechte Recken“ zu lesen war, freuten sich da abends über das Heil des Sieges, bis zum Abwinken.

Wahlen haben natürlich auch was Gutes. Die Recken werden in den Nationalrat einziehen und wieder deutlich seltener hierzulande zu sehen sein. Wolfgang „Es hat gute Seiten am Nationalsozialismus gegeben“ Zanger (FPÖ) etwa oder Susanne „Kinderschänder“ Winter (FPÖ) oder Wolfgang „Kriminelle Asylwerber abschieben, auch ohne Urteil“ Spadiuth (BZÖ). Viel Spaß mit Susi & Co, liebe Kollegen weiter vorne im Blatt. F

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


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