Tannhäuser: der Sängerstreit im Stadion. Oder: Wenn Nonnen die Welle machen

Steiermark | Clara Pfaller | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Ein Fußballstadion voller Nonnen, die die Welle machen, ein mittelalterlicher Landgraf, der Golf liebt und Mädchen auspeitscht – das alles gab es zum Saisonauftakt in der Grazer Oper. Mit Richard Wagners „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“, einer Koproduktion mit der Staatsoper Hannover, wurde vergangenen Samstag Jörg Koßdorffs letzte Saison als Intendant des Hauses eröffnet. Und man wurde quer durch die Geschichte der Bekleidungskultur geleitet: Spielt man im ersten Akt noch Golf im bieder-peinlichen Outfit, sieht man einen Akt später Tannhäusers Kollegenschaft in mittelalterlich-bunten Überröcken um die Wette singen. Bis zur Unterwäsche entkleidet das Volk dann eine Dame, die „Ich habe Lust empfunden“, auf ein Taferl geschrieben, um den Hals tragen darf und dementsprechend inbrünstig vom Volk ausgepeitscht wird. Schade um die dramatische Chorstelle, während der das Publikum vergeblich dagegen ankämpft, ständig Assoziationen zu den aus Politdiskussionen


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