Doris Knecht- Selbstversuch

Verbieten bringt doch überhaupt nichts!

Kolumnen | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Zwei Wochen lang fanden die Kinder die Schule supsi: neu, spannend, interessant, uraufregend. In der dritten wurde ihnen klar, dass das jetzt immer so sein wird. Immer so früh aufstehen, immer rechtzeitig da sein, immer vier oder fünf Stunden Unterricht und danach immer Hausaufgaben. Es ist praktisch ein Schock. Macht sie muffig, patzig, aggressiv, und wenn man einmal die Stimme auch nur einen halben Millimeter hebt, fangen sie hysterisch an zu heulen, aber so hysterisch. Dabei sind sie Lautstärke gewohnt, bei uns sind alle laut, aber jetzt muss man als Erziehungsberechtigte ganz leise sein. Ganz sanft. Meine Mutter sagt, das schadet nichts, das senkt euren Gebrüllpegel endlich ein bisschen, und dass ich vom Hinunterschlucken von dringlich veräußerungswürdigem Hochdruckgekeppel wahrscheinlich ein Magengeschwür kriege, ist ihr wurscht. Und die Mimis geben mir zu Gekeppel vielerlei Anlass: Ess ich nicht, trink ich nicht, mach ich nicht, will ich nicht, zieh ich nicht an, räum ich nicht auf. Nein, nein, nein, nein; wenn man überhaupt eine Antwort kriegt. Eine der Mimis hieß mich gestern dumme Kuh, das hätte sie früher nie gemacht, ich bin bitte ihr Idol, und ich habe sie, wie ich es aus der TV-Debatte HC gegen VdB gelernt habe, hypnotisch angeflüstert: Wenn ich das noch einmal höre, gibt’s kein kein kein ... kein Irgendwas, du wirst es jedenfalls bereuen. Die Schule macht uns fertig. Führt dazu, dass ich mir Sanktionen ausdenken muss. Aber wie sanktionierst du Kinder, die sowieso nicht computerspielen dürfen.

Computer, by the way, Abt. Gameboy: Es gibt im Hort einmal im Monat einen Gameboytag, da dürfen alle, die einen haben, ihren Gameboy mitbringen, und alle, die keinen haben, wollen am Abend auch einen. Ich habe beim Elternabend gesagt, wenn ich einmal etwas sagen darf, ich bin unheimlich dagegen. Alle anderen schauten nicht mal hoch; nächster Punkt. Ich sagte noch einmal, ich bin übrigens strikt gegen den Gameboytag, und, und da erbarmte man sich meiner und erklärte mir in mitleidigem Ton, wie wichtig es sei, die Kinder einen vernünftigen Umgang mit modernen Massenmedien zu lehren. Gehöre nun mal zum Alltag; verbieten bringe nichts. Verbieten bringt wohl was, ich verbiete seit Jahren mit großem Erfolg und beabsichtige nicht, mein Konzept zu ändern, was durch den Gameboytag allerdings massiv verkompliziert wird. Im Gegenzug werde ich beim nächsten Elternabend vorschlagen, auch einen monatlichen Drogentag einzuführen, an dem die Kinder ihre Zigaretten und Alkopops mit in den Hort bringen dürfen, was ich circa gleich schädlich finde wie Computerspiele: Aber sie kommen ja früher oder später doch in Kontakt damit, besser, man lehrt sie rechtzeitig einen vernünftigen Umgang mit dem Zeug. Verbieten bringt doch nichts.

Und Sie brauchen jetzt gar nicht zu sagen, dass die Kinder ihren Hang zum Hysterischen schon irgendwo herhaben ... Ich habe schon eine Mutter, die mir revanchistische Referate hält, herzlichen Dank. F


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