Theater Kritik

Flammendes Inferno unter Freunden

Falter Woche | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Erst grillen sie, dann werden sie gegrillt: Anja Hillings Drama „Schwarzes Tier Traurigkeit“ ist ein Katastrophenstück. Dabei fängt es ganz harmlos an. Drei Paare fahren raus aus der Stadt, um mitten im Wald einen Grillabend zu veranstalten. Keine gute Idee, aber das kann ja noch keiner wissen. Zunächst plätschert das Stück dann auch recht unspektakulär vor sich hin. Man kennt sich, man liebt sich (oder hat sich mal geliebt), man stichelt ein bisschen, das Übliche. Dann bricht das Inferno los: Der Wald brennt lichterloh. Und der zweite Teil des Stücks gehört zum Härtesten, was die Theaterliteratur zu bieten hat. Sehr anschaulich berichtet die 33-jährige Autorin („Mein junges idiotisches Herz“) aus dem Inneren eines Waldbrands; die für einige Personen der Handlung sehr unschönen Folgen der Katastrophe beschreibt sie in einer Sprache, deren Schönheit hier beinahe unmenschlich wirkt.

Der Wiener Regisseur Tomas Schweigen (der in Zürich die Gruppe Far A Day Cage leitet) inszeniert die österreichische Erstaufführung betont trocken. Den epischen Charakter des zweiten Teils nimmt er im ersten vorweg, indem er auch die elaboriert-poetischen Szenenanweisungen sprechen lässt. Ein paar von den Schauspielern mit hellgrüner Farbe an die Wand gepinselte Bäume markieren den Wald, das Feuer findet szenisch überhaupt nicht statt – es wird ja ausführlich genug beschrieben.

Das Stück erzählt davon, wie unser läppisches kleines Leben im Angesicht der Katastrophe auf einmal ganz groß und echt wird. Der dritte Teil zeigt dann, dass es danach eh wieder weitergeht wie immer. Im Schauspielhaus spielen die Schauspieler diesen bitteren Epilog mit Sektgläsern in der Hand. Heißes Thema. Kühler Text. Cooler Abend.

Schauspielhaus, Do 20.00 (nächste Termine: 17.10., 2. und 4.11.)


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