Meinesgleichen

Falter & Meinung | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Aus der weiten Welt der Meinung

Das gespannte Verhältnis der grünen Basis zu ihren gewählten Funktionären (ist) kein korrigierbarer Zustand, sondern für die Logik dieser Partei konstitutiv. Denn sie muss das romantische Element und das rationale in sich vereinen, Elemente, die sich wechselseitig negieren. Verdrängt sie das zweite, wird sie bedeutungslos, verdrängt sie das erste, wird sie banal." Das schrieb der Philosoph Rudolf Burger 1989 im Falter zur Debatte um die Formulierung eines grünen Parteiprogramms.

Der oben zitierte Politologe Franz Walter merkt an, Opposition sei "negativ konnotiert: mit Ineffizienz, leerer Betriebsamkeit, folgenloser Antragsschreiberei. Opposition ist demnach allein etwas für Nörgler, Träumer oder Demagogen. Aber warum? Nun meldet sich mit der neuerlichen Verachtung des Oppositionellen nicht eine vermuffte obrigkeitsstaatliche Gesinnung zurück. Es ist vielmehr die Modernität des Pragmatismus, dem die Möglichkeit einer ganz anderen, eben oppositionellen Wahrheit und Wirklichkeit nicht geheuer ist." Der moderne Pragmatiker orientiere sich "bei dem, was er für das Wirkliche hält, stets am dominanten Diskurs, am Machbaren. (…) Der moderne Pragmatiker möchte nicht gern gegen Windmühlen kämpfen."

In Zeiten des Postparlamentarismus nähere sich der Pragmatismus so dem Denken der absolutistischen Vormoderne an. Grüne Politik bleibt schwierig wie eh und je: Sie muss zugleich für Windräder und gegen Windmühlen kämpfen.

Quellen:

¦ Rudolf Burger: Natur als Projekt, Falter 25/1989 ¦ Franz Walter: Baustelle Deutschland.Politik ohne Lagerbindung. edition suhrkamp, 2008


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige