Hass an der Donau

Politik | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

In Ungarn hetzen Paramilitärs gegen Juden und Schwule. Jetzt regt sich erstmals Widerstand

Reportage: Ingrid Brodnig/Budapest

Maria Kristofy hat schlechte Erinnerungen an die Andrassy utca, die Hauptstraße mitten in Budapest. Als sie das letzte Mal mit einer großen Masse an Menschen hier entlangspazierte, hagelte es Eier, Steine, Bierdosen. "Schwuchteln, verschwindet!", wurde im Juni den Besuchern der Regenbogenparade zugerufen. Gleich zu Beginn bekam die 58-jährige Lesbe ein Ei ab. Dann sah sie Rauch aufsteigen: Rechtsradikale warfen Molotowcocktails. Mindestens acht Leute wurden verletzt.

Jetzt marschiert Kristofy wieder durch die Andrassystraße. Sie trägt ein Engelskostüm und steht in einer Menschenmenge: Knapp 5000 Ungarn demonstrieren am vergangenen Samstag gegen Gewalt. "Tarka Magyar", zu Deutsch "bunter Ungar", nennt sich die Demo. Im Nachbarland läuft derzeit die Debatte, wer ein "richtiger Ungar" ist. Das Land erlebt seit 2006 eine Radikalisierung. Die Parteien sind auf Konfrontationskurs.


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