Mediaforschung

"Warum muss Fleischhacker für die Presse bluten, Herr Kratky?"

Nachfragekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Wollen Sie wissen, wie der Chefredakteur des Blattes Ihres Vertrauens ausschaut? Die Leser des profil kennen den ihrigen, freiwillig oder nicht, schon seit geraumer Zeit. Christian Rainer posiert mit Don-Juan-Frisur und schrägen Anzügen als Stimmungsmacher für sein Wochenmagazin.

Nun schwingt sich auch der oberste Redakteur der Tageszeitung Die Presse zum Testimonial in eigener Sache auf. Michael Fleischhacker ist als neues und alleiniges Werbegesicht des altehrwürdigen Blattes seit letzten Montag flächendeckend zu sehen. Was also trägt der modern-konservative Tageszeitungsmacher mit Anspruch? Kurzgeschorenes Haar, schwarzen Anzug, weißes Hemd und natürlich keine Krawatte mehr, dafür aber auf manchen Sujets ein kleines Pflaster überm Auge. "Wer sagt eigentlich, dass schreiben ungefährlich ist?" steht darunter. Die Botschaft: Haltung zu haben, kann wehtun.

Der Werber dieser Kampagne heißt Thomas Kratky. Er war Kreativchef bei Young & Rubicam Vienna und arbeitet inzwischen als Freier. Weil sich Fleischhacker, nicht zuletzt mit seinem neuen Buch "Politikerbeschimpfung", zu einer Art "Marke" entwickle, sei es naheliegend, ihn auch gleich als zentrale Figur für die Kampagne einzusetzen, erklärt Kratky. "Er verkörpert die Blattlinie."

Faymann ist die SPÖ, die SPÖ ist Faymann. Fleischhacker ist Die Presse und umgekehrt - so einfach kann das im personalisierten Medienzeitalter gehen.

Wie steht Fleischhacker dazu, aus der Teilanonymität des Schreibtischtäters ins Rampenlicht zu rücken? "Es ist nicht lustig, sich der ganzen Welt ausgeliefert zu fühlen. Aber es ist ja für einen guten Zweck." Ein bisschen Eitelkeit dürfte wohl auch mitspielen. Kratky: "Man muss sich mögen, wenn man sich plötzlich überall selber sieht."


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