Des Volkes Verswolf: das widersprüchliche Leben des Krone-Poeten Wolfgang Martinek

Medien | Florian Klenk | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

"Glatt ist der Faymann wie ein Aal? Nein, mutig ist er und sozial". So reimt Wolf Martin, der Dichter der Kronen Zeitung. Wer ist dieser Volksdichter?

Wolfgang Martinek, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist ein verschreckter Einzelgänger. Seine Biografie ist voller Widersprüche und Brüche.

Der Sohn einer Krankenschwester, die beim Völkischen Beobachter arbeiten musste, wird bei katholischen Schwestern erzogen, schließt sich dem Mittelschüler-Kartellverband an und entdeckt langsam seine Homosexualität.

Er irrt zwischen Patern und Psychiatern umher, applaudiert bei der "Uni-Ferkelei" und tritt dem Sozialistischen Studentenbund bei. "Man saß dort verkorkst herum, löffelte Bohnen unter einem Stalinbild und zitierte aus selbstverfertigter konfuser Schreibe", schrieb Martin über diese Zeit.

Er verliert den Halt im Leben, versucht sich umzubringen, landet am Steinhof, beginnt zu malen - etwa Flaktürme und Zinskasernen - und pilgert nach Lourdes, um Rosenkränze zu beten. Schließlich wird er Beamter der Glücksspielmonopolverwaltung.

Privat schließt er sich Anfang der 80er-Jahre der soeben gegründeten Homosexuelleninitiative an. Er verlässt sie, weil sie seiner Meinung nach Aids verharmlose. Martinek selbst infiziert sich auf nächtlichen Streifzügen mit Hepatitis B.

Die linke Öffentlichkeit nimmt Martin Ende der 80er-Jahre wahr. Er reimt für das Neue Forum, eine kritische, mittlerweile eingestellte Zeitschrift - und zwar gegen Hans Dichand, den er selbst sprechen lässt: "Oh edler gütiger Präsident", lässt Martin Dichand sagen, "oh weiser gütger Waldheim! Solange mich Gott die Feder führen lässt, soll ihr nur Preis für eure Huld entströmen".

Martin wurde von Dichand abgeworben. Er reimte für ihn gegen Juden und für Haider, gegen einen "Neger goldkettenbehängt / der sich mir ins Blickfeld drängt". Österreichs Rechtsextreme applaudieren ihm, auch weil er auf Hitlers Geburtstag anspielt und Holocaustwitze reißt. Nun rühmt er Werner Faymann.


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