"Alle tragen nur mehr Freizeitkleidung!"

Feuilleton | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Der Pop-Pate Paul Weller kommt nach Wien. Ein Gespräch über Irrtümer in Musik, Mode und Politik

Interview: Robert Rotifer

Aus kontinentaler Perspektive fungiert Paul Weller als leuchtende Leitfigur für die Nischensekte der Anglophilen. In seiner britischen Heimat genießt er dagegen einen bodenständigen Volksheldenstatus, der immer schon massive Dünkel seitens der poptheoretischen Intelligenz provoziert hat. Seine Band The Jam (1977-1982) mochte zwar beständig alle Leserwertungen der Fachpresse anführen, aber deren ideologische Wortführer konnten mit dem jungen Weller so rein gar nichts anfangen. Die äußerliche Sauberkeit seiner Mod-Ästhetik und die eigenartige Retro-Romantik seines daraus derivierten "Modernismus" erregten bei den Rhetorikern der Postmoderne schweren Konservatismusverdacht - selbst wenn sich gerade darin genau jene Working-Class-Wurzeln reflektierten, die andere Heroen des Punk in manierierter Wohlstandsverwahrlosung nachzuempfinden suchten. Im Nachhinein erscheint


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