"Edward Hopper sagt:, Bleibts zuhause und schauts aus dem Fenster!'"

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Wer ein Hopper-Bild kaufen will, hat in Wien derzeit gute Gelegenheit dazu: Er muss nur 5000 bis 10.000 Euro auslegen und darüber hinwegsehen, dass die Bilder nicht mit dem Namen von Edward Hopper, sondern mit F.R. signiert sind: F.R. wie Ferry Radax, der vor allem durch seinen Film "Sonne halt" (1959) berühmt geworden ist und auf ein ebenso umfangreiches wie vielgestaltiges Œuvre zurückblickt.

Nachdem das Fernsehen als Auftraggeber ausfällt ("Das Niveau ist so mies - so tief kann ich gar nicht tauchen. Wenn ich heute Filmer wäre, würd ich mir gleich die Kugel geben"), hat sich Radax in der letzten Zeit verstärkt seiner zweiten großen Liebe, der Malerei, zugewandt. Seine Erstbegegnung mit Hopper datiert von 1953, als ihm ein Freund eine Postkarte mit "Early Sunday Morning" (1930) schickte. 22 Jahre später stößt Radax erneut auf das Bild und beginnt, "Paraphrasen" von Hopper-Bildern zu malen, deren Motive er auch an den Originalschauplätzen aufsucht.

Als "Metamalerei" bezeichnet Radax seinen Umgang mit Hoppers Bildern; das Originalformat behält er bei, ändert aber schon mal die Tiefenschärferelationen. Weswegen die Gemälde auch neue Titel bekommen.

"Early Sunday Morning" etwa heißt jetzt "Die Kraft der Zeit". Begonnen hat Radax das eineinhalb Meter breite Bild, dessen Cinemascope-Format ihn von Anfang an beeindruckte, schon 1978. 26 Jahre später fand er es, von Mäusen angenagt, wieder und vollendete es.

An Hopper fasziniert Radax nicht zuletzt "die Schlichtheit der städtischen Isolation", die der Maler nachgerade propagiert habe: "Was bleibt einer Großstadtratte auch anderes übrig, als auf die anderen Ratten zu schauen? Hopper sagt eigentlich:, Bleibts zuhause und schauts aus dem Fenster!'"


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