Ins Mark

Das Ohr muss ab

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Die Wähler haben gesprochen, und ganz verschieden ist, was die Politiker aus deren Ansage heraushören. Der steirische Oberorange Gerald Grosz hat voller "Demut", der Eigenschaft, für die ihn seine Anhänger am meisten lieben, den Ruf der Gnadenmutter in Mariazell vernommen, sie doch wallfahrenderweise heimzusuchen. Für Neo-Nationalrätin Susi Winter klang das Flehen der Wähler durch, sie und nur sie müsse das neue Gesicht der blauen Außenpolitik werden. Die Grünen interpretieren ihr Ergebnis so, dass eh alles soweit in Ordnung ist. "Wir haben verstanden", versichert auch ÖVP-Landeschef Hermann Schützenhöfer. Wie ein offenes Buch liegen die Versäumnisse der Bundespartei vor ihm. Wie schon den ganzen Wahlkampf lang, allein hatten weder er noch die mit ihm in vollkommener Eintracht verbundene Basis in Wien Gehör gefunden. Dass die ÖVP in der Steiermark noch mehr Federn lassen musste als im Schnitt, verstehe, wer will.

Auch die SPÖ sagt jetzt: "Wir haben verstanden." Das muss doch verstören: Was hat dann das Gummi-Ohr den ganzen Sommer lang getan, das die roten Granden als Symbol für das Zuhören "gemeinsam geboren" und den lieben langen Wahlkampf über zu Zeltfesten und Aufmärschen kutschiert haben? Hat es nicht aufgepasst? Oder, noch schlimmer: Hat es der Parteispitze etwas verheimlicht? Die externe Beraterin empfiehlt: Das Ohr muss gehen. Dafür kann eine Frau bleiben oder ein Junger oder sonst einer von jenen, die quer durch die Parteien gerade als Erste aus dem Parlament geworfen werden. Für das Ohr wird sich auch noch ein Versorgungsposten finden, da wurden schon schwerhörigere Fälle untergebracht.

Gerlinde Pölsler leitet das Ressort Stadtleben im Steiermark-Falter


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