Hundert Jahre Zeitausgleich

Spagate in Lederhosen

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Wer sich (in dieser schnelllebigen Zeit) orientieren will, dem stehen mehrere Möglichkeiten offen: ein Navigationssystem, das mit sanfter weiblicher Stimme, die immer gleich bleibt, wurscht, ob wir sie stundenlang ignorieren, stetig wiederholt, dass wir abbiegen müssen. Oder: zeitgenössische Kunst, die ein "Seismograf" und manchmal auch "ein Leuchtturm" ist für gesellschaftliche Strömungen, wie Politiker und Funktionäre immer wieder gerne sagen, wenn man sie lässt.

Oder aber die gute alte Krachlederne, wie es Josef Pröll formuliert: Ja, die Lederhose zeigt mir, wo ich herkomme - und der Laptop, wo ich hin muss. Der Juniorchef spielt da auf einen Spagat an, den es zu leisten gilt (in diesem Fall: ein Herrenspagat, das heißt: wenn beide Beine seitlich vom Körper ausgestreckt sind). Spagate sind oft notwendig in der heutigen Zeit: zwischen privat und Staat (die Regierung), zwischen Urbanität und Tradition (die Kleinstadt Graz), zwischen kühl/unfreundlich und warm/unfreundlich (die Jahreszeit), zwischen kämpferisch und staatstragend (die Grünen), zwischen sexueller Offenheit und Treue und Zweisamkeit (Menschen in Beziehungen), zwischen Funktionalität und Attraktivität (Küchensysteme), zwischen Routine und frischem Blut (Karel Brückner), zwischen Tennis und Privatleben (Sibylle Bammer), zwischen Ernsthaftigkeit und assoziativer Laxheit (diese Kolumne).

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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