Phettbergs Predigtdienst

Regeln bewegen sich im Nanobereich der Freiheit

Kolumnen | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Ich kann mich nicht gehen lassen und würde fast sagen, dass das ein schlechtes Zeichen ist. Sich gehen zu lassen ist doch ein Zeichen der Libertinage, liebe Duhsubys, aber ich war immer ein Allein-Gehaltener in einem Zoo, den ich verwaltet habe. Der Zoodirektor und der einzige in diesem Zoo Gehaltene. Ich umschreibe nun die Gattungsbezeichnung, jedenfalls könnte ich als Lebewesen oder Erdling bezeichnet werden.

Ja, es könnte auch mit dem Wort Kloster bezeichnet werden. Es gibt doch weit und breit keinen Orden, der nicht strengen religiösen Regeln unterworfen wäre. Augustinus hat das angedacht. Aber es kommt im Zuge der Libertinage sofort zu Abspaltungen, siehe in der Wüste in der Folge von Abraham die Essener und Johannes der Täufer, dann Jesus von Nazareth und vor allem Paulus, der Arzt, der alles glättete und dann dem Ganzen einen Schliff gab. Wir haben so allerhöchstens 100 Jahre - und "wir müden ab".

Also gibt es vielleicht keinen Weg außer dem der bedingungslosen Conditio humana. Das Festnetz des Lebewesens "Homo sapiens" ist wie der VW-Käfer festgeschrieben oder wie die Bill-Gates-Gedenkminute es jeden Tag mitteilt: Wir sind festgeschriebene Formulare. Du musst die Regeln lernen, und dann gibt es links und rechts davon einen Millimeter Spielraum: im Nanobereich ein Riesenraum für kreative Geister!

Regeln bewegen sich im Nanobereich der Freiheit. Und der Erste gewinnt, bis wir ermüden. Ich würde das für den Moment als Klosterregel schreiben. Jedes Buch, das heißt alles ab drei Sätzen, die gesammelt werden und dann indiziert, ergibt eine Art Bibel. Wenn du darüber als Netz einen Index breitest, damit du Wort für Wort nachschlagen kannst, hast du dein Regelwerk. Und schon ist eine Religion die Folge.

Du musst glauben, an egal was, aber du musst diese Tätigkeit tun. Es ist ein Tätigkeitswort, das ist also alles, was in den religiösen Gründungs-Anstoß-Büchern steht: "Re-Li-Gi" - von hinten nach vorne lesen und lesen, doch ich kann nur schlafen. Einsam mich hinlegen und einsam aufstehen. Einen Tag denk ich, es geht mit mir zu Ende, am nächsten Tag denk ich, es geht noch ein Weilchen. So schwimme ich von Tag zu Tag.

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