Klimt wie vor 100 Jahren, Adele in Schwarzweiß

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Das Belvedere rekonstruiert die "Kunstschau 1908"

Das Belvedere kam auf eine originelle Idee, um seine reichen Klimt-Bestände im Rahmen einer Sonderausstellung zu präsentieren. Das Museum arbeitete die Geschichte der spektakulären Großausstellung auf, die 1908 parallel zu den Feierlichkeiten anlässlich des 60-jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. in Wien stattfand.

Die "Kunstschau 1908" war auf jenem Platz zu sehen, wo kurz darauf das Konzerthaus errichtet werden sollte. Der Architekt Josef Hoffmann, der Designer Otto Prutscher und der Maler Koloman Moser bauten eine Art Gesamtkunstwerkland mit 54 Ausstellungsräumen, Gartenanlagen und Innenhöfen, einem kleinen Friedhof, Kaffeehaus und Open-Air-Theater. Diese Anlage wird im Unteren Belvedere in Form eines Modells und einiger Entwurfspläne gezeigt. Die fortschrittlichen Kräfte der Wiener Kultur, die eine Vereinigung von Kunst und Design und eine Aufwertung des Handwerks propagierten, schufen sich eine beeindruckende Bühne. Nun wird ein Teil der damals gezeigten Exponate und Werke der vertretenen Künstler präsentiert.

Drei rekonstruierte Räume vermitteln ein Gefühl für die große Bedeutung der Ausstellungsarchitektur. "Raum 50" war der Wiener Werkstätte gewidmet, "Raum 10" der Plakatgestaltung. Der ganze "Raum 22" war für Klimts Werke reserviert. Hier hängt nun "Der Kuss" (1908), das noch während der Laufzeit der Kunstschau angekauft wurde. Die "Goldene Adele" hängt daneben als Schwarzweißfotokopie; das Bild musste vom Museum an seine rechtmäßigen Eigentümer restituiert werden.

Neben schönen Beispielen der Produktgestaltung und des Grafikdesigns muss sich der Besucher aber auch auf jede Menge eher nicht so toller Kunst gefasst machen. Der Bildhauer Franz Metzner etwa, der 1908 einen großen Auftritt hatte, ist wohl zu Recht in Vergessenheit geraten.

Unteres Belvedere, bis 18.1.


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