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Kurz besprochen

Lexikon | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Wien-Roman I

Robert Neumann. Die Kinder von Wien. Roman. Eichborn. Die andere Bibliothek, 332 S., € 30,90

Robert Neumann, der bereits 1934 ins (vorerst provisorische) britische Exil ging, ist vor allem als großartiger Literaturparodist ("Fremde Federn") bekannt. Dass sein 1946 auf Englisch erschienener Roman "Die Kinder von Wien" in der von Neumanns Frau besorgten Übersetzung 1948 auf heftige Ablehnung stieß, verwundert nicht: Das Buch lag völlig quer zur österreichischen Opfermythologie des Wiederaufbaus.

"Ein zynisches Kaleidoskop", als welches der Roman kritisiert wurde, ist dieser freilich mitnichten; zynisch ist bloß die Welt, die er beschreibt: In grellen Typisierungen (einer der Protagonisten heißt schlicht Jid) wird der Überlebenskampf eines halben Dutzends Kinder beschrieben, die sich u.a. durch Schleichhandel und Gelegenheitsprostitution über Wasser halten. Neumanns eigene Übertragung besticht vor allem durch ihr eigenartiges, aus Jiddisch, Rotwelsch und Amerikanismen


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