Ohren auf!

Sammelkritik

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 41/08 vom 08.10.2008

Als Bibliomanie bezeichnen Psychologen die übersteigerte Leidenschaft für das Sammeln von Büchern; allein, es scheint, als böte auch die Musik dem Sammelwahn ein gutes Betätigungsfeld. Und das nicht erst, seit es Schallplatten gibt.

Schon 1539 veröffentlichte der bayerische Arzt und Komponist Georg Forster einen "Auszug guter alter und newer Teutscher liedlein einer rechten Teutschen art auff allerley Instrumenten zubrauchen außerlesen". Es ist bis heute die größte und wichtigste Sammlung deutscher Renaissancelieder, der zentralen Gattung höfischer und bürgerlicher Gesellschaftskunst im 16. Jahrhundert.

Nicht weniger als 380 Sätze von 50 Komponisten trug Forster darin sowie in den vier bis 1565 erschienenen Folgebänden zusammen - und gab damit einen unschätzbaren Überblick über die Entwicklung des Genres, das als erster eigenständiger Beitrag deutscher Komponisten in der bis dahin von franko-flämischen und italienischen Meistern dominierten Musikgeschichte Europas gilt.

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