Musiktheater

Man schließe die Augen Faust in der Staatsoper

Kritik

Lexikon | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

An der Staatsoper schließe man die Augen. Nur dann hat man in der Neuproduktion von Charles Gounods "Faust" den Eindruck, in einem ersten Opernhaus zu sitzen. Man hört, wie überwältigend Bertrand de Billy mit dem Orchester die Partitur in all ihren Qualitäten ausleuchtet. Man hört ein starkes Solistenquartett, aus dem Adrian Eröd als Valentin stilistisch und stimmlich hervorsticht. Roberto Alagna glänzt in der Titelpartie nicht, platziert aber in den entscheidenden Momenten effektvolle Spitzentöne. Gleiches gilt für Angela Gheorghiu als Marguerite. Der Mephisto des Kwangchul Youn ist trefflich gesungen, bleibt aber das Rollenporträt schuldig. Öffnet man die Augen, schlägt die Regiekatastrophe unbarmherzig zu: die Bühne nicht nur als deutungsfreier, sondern darüber hinaus als völlig ambitions- und seelenloser Raum, in dem die Solisten hilflos sich selbst überlassen bleiben. Das ist die Preisgabe künstlerischen Anspruchs, so desavouiert man ein Werk wie "Faust" zum entbehrlichen Brimborium. AD

Nächste Vorstellungen: Staatsoper, Fr, Mo und Do 19.00; 26.10., 17.00


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