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Kritik

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Victorine Müller: "Return" Nives Widauer: "Viennaloops"

Ausstellungen, die sich während ihrer Dauer wandeln, sind frustrierend, weil man ohne mehrmaligen Besuch das Ganze nicht überblicken kann. Weil aber in der Kunstsparte Performance ohnehin Unmittelbarkeit und zeitlich beschränkte Präsenz eine wesentliche Rolle spielen, macht die mehrteilige Schau "Swiss Performance" im project space der Kunsthalle am Karlsplatz Sinn. Jede der gezeigten Künstlerinnen tritt live in Wien auf und ist im Anschluss daran noch einige Zeit mit Arbeiten und Aktionsrelikten vertreten. Der Schwerpunkt liegt auf der Hinterfragung von weiblicher Identität, Rollenzwängen und Selbstermächtigung.

Die in New York lebende Clarina Bezzola, die im Vorjahr bei Krinzinger Projekte ausgestellt hat, eröffnete die Reihe mit einer bildstarken Kostümschlacht. Die Künstlerin schälte sich aus einem riesigen Filzgewand und ruderte durch Textilgedärme. Mit Manon war eine Pionierin der Schweizer Performancekunst vertreten, die ihre künstlerische Identität bereits in den 70er-Jahren entwarf. Am 16. Oktober tritt Victorine Müller mit der Performance "Return" auf. Die 1961 geborene Künstlerin schafft, was sie "Living Installations" nennt, in denen sie den eigenen Körper in eine Art Ausnahmezustand versetzt und mit einem kokonartigen Gerippe umhüllt. Am 26. Oktober folgt die in Wien lebende Schweizerin Nives Widauer. Mit der Performance "Das Österreichzimmer" thematisiert sie die jüngere Geschichte ihrer Wahlheimat. Im Mittelpunkt stehen berühmte Reden des 19. und 20. Jahrhunderts, die im Anschluss von den Besuchern der Ausstellung karaokehaft nachgesprochen werden kann.

Kunsthalle project space, Performances 16. & 26.10., 19.00


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