Kunst

Kultstätten des Überflusses

Kritik

Lexikon | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Paul Horn & Harald Hund: "Dropping Furniture"

Der Künstler ist der Sohn eines Pastors" flüstert der Galerist konspirativ in der Ausstellung "Living Rooms" und lotst hinter eine Tür, die in der Galerie Knoll bisher noch nie zu betreten war. Durch zwei geisterbahnhaft dunkle Kammerln gelangt der Besucher in ein winziges Hinterzimmer, das Paul Horn mit gotischen Versatzstücken in eine trashige Kapelle verwandelt hat. Dort hängen Pornobilder dicker Frauen: Ein Verstoß gegen die Political Correctness im Kunstbetrieb oder eine Weihestätte für moderne Fruchtbarkeitsgöttinnen? Egal, die aus dem Hut gezauberte Sackgasse, zu der auch ein gelungen inszenierter Lichthof gehört, lässt an Gregor Schneiders "Haus Ur" denken. Da hausen Sehnsüchte und Ängste im Hinterhof, die einem beizeiten auf den Kopf fallen könnten. In der 2-Kanal-Video-Installation "Dropping Furniture" lassen Paul Horn und Harald Hund Möbel in eine leere Wohnung niederregnen, dass es nur so kracht und sich der Besucher die ganze Zeit überlegt, wie sie diese verrückte Aktion wohl bewerkstelligt haben.

Der Rest der Ausstellung gestaltet sich eher vernachlässigbar. Horn verwendet für seine Bad Paintings Acryl, Sprühfarbe oder Harz. Seine knallige "Frau in der Dusche" und die witzigen Katzenporträts im Rundformat wirken konsequenter geschmacklos als die Assemblagen, wo er Elemente wie etwa eine Lampe reliefartig hervortreten lässt. Das Faible für Architektur des 1967 geborenen Harald Hund tritt mit Fotos von funktionalistischen Hochhäusern und Minigebäuden zutage, in die eine Modelleisenbahn gekracht zu sein scheint. ns

Knoll Galerie, bis 12.11.


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