Film

Hellboy 2, der beste Comicheldenfilm des Jahres

Neu im Kino

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Hellboy und Company Ron Perlman in der Rolle des krebsroten Titelhelden

Nichts gegen wichtigtuerische Vigilanten im Fledermauskostüm oder schnöselige britische Geheimdienstler, aber der charmanteste und anrührendste Superheld des Kinojahres kommt direkt aus der Hölle und verbringt seine Freizeit vorzugsweise mit einem Sixpack vor dem Fernseher. Mit dem Berufsethos eines grummeligen Installateurs kämpft der krebsrote, muskulöse Dämon Hellboy in US-Regierungsdiensten gegen wütende Waldgötter oder karnivore Zahnfeen. Nach dem wilden Historien-Remix von Teil eins - 2004 ging es gegen Rasputin und seine Nazibraut - stiftet in "Hellboy - Die goldene Armee" eine Öko-Fabel um einen rebellischen Elfenprinzen den nötigen wie notdürftigen inhaltlichen Zusammenhang für das ausgelassene Durcheinander zwischen Film noir und Fantasy, Martial Arts und Slapstick, wissendem Anzitieren und aufrichtigem Pathos. Regisseur Guillermo del Toro, der seine Monster-Obsessionen zuletzt diszipliniert in die antifaschistische Allegorie "Pans Labyrinth" einspannte, lässt die dramaturgischen Zügel diesmal am Boden schleifen: Zwischen pflichtschuldigen Vorbereitungen für Teil drei wird einfach ein ornamental ausgefeiltes, hochvergnügliches Schaustück ans nächste gereiht. Seinen Höhepunkt erreicht der Film indes trotz allen geschäftigen Kreaturentreibens weder am Trollmarkt von Brooklyn noch bei der finalen Prügelei mit der titelgebenden Roboterarmee, sondern in einem ergreifenden Intermezzo: Liebeskummerkrank und angeduselt sitzen Hellboy und sein Kollege, der Kiemenatmer Abe, daheim und singen mit bei der unausrottbaren Barry-Manilow-Schnulze "Can't Smile Without You". Dafür sei sogar ein Abend Viennale-Ausgang gestattet.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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