Film

99 Francs - Dagegensein ist der neue Opportunismus

Neu im Kino

Lexikon | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

"99 Francs" von Ex-Werbefilmer Kounen Jean Dujardin als Octave, Werbetexter

Ich ziehe mir heute an, was Sie sich in einem Monat wünschen werden", erklärt uns Octave. Er ist Werbetexter einer angesagten Pariser Agentur, Anfang 30 und ein bekennendes Arschloch. Mit "99 Francs", seiner satirischen Innenansicht der Werbebranche, wurde der einschlägig berufserfahrene französische Autor Frédéric Beigbeder international bekannt. Jan Kounen, als ehemaliger Werbefilmregisseur ebenfalls ein Mann vom Fach, hat sich an der Verfilmung versucht. Besonders Interessantes (oder auch nur: Kohärentes) haben die beiden hier trotzdem nicht über die Werbung zu erzählen. "39,90", der Film, hat den Look eines Werbeclips und den Tonfall einer entrüsteten Anklage. Und entgegen mancher bereits ventilierter Kritik sind das Problem gerade nicht die schrillen, glatten Oberflächenreize (siehe zum Vergleich Frank Tashlins großartig acrylbunte Werbesatire "Will Success Spoil Rock Hunter?"), sondern der hysterische Kulturpessimismus. Antiheld Octave (Jean Dujardin) ist von Anfang an zu genervt von der Welt, in der er sich bewegt, um sie uns wirklich zeigen zu können. Alles ist irgendwie diffus ganz schrecklich und deshalb nichts durchschau- und veränderbar: Furchtbar ist, dass die Chefs in der Werbung rückgratlose, kalkulierende Beamte sind. Aber noch schlimmer ist, dass die Kreativen unberechenbare, zugekokste Windbeutel sind. Und am allerschlimmsten ist, dass deren schräge Ideen dann von den konservativen Auftraggebern zensuriert und zurechtgebogen werden. Als Ausweg aus der Welt des bösen Scheins fällt Octave und Kounen am Ende nur unberührte Natur und Familienglück ein. Und das ist, sogar als Scherz, ziemlich dürftig. JS

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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