Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Wundern Sie sich über den Fatalismus, das Fehlen von Panik, die Absenz von Speckhamsterern, Benzindieben und Goldzahnraffern? Kann sein, dass das noch kommt. Die schlimmste Schreckensvision von Wirtschaftpublizisten ist der leere Bankomat. Wir stehen mit gezückter Karte davor und kriegen kein Geld.

Statt „Außer Betrieb“ zeigt uns die Geldmaschine fünf Buchstaben: „Krise“. Weshalb bleiben wir dennoch ruhig? Der Publizist Claus Koch hat eine Erklärung: „Die Bereitschaft der Massen ebenso wie der Spekulanten, in den Kollaps hineinzutaumeln, scheint auch in der fatalistischen Hinnahme von Katastrophen aller Art, die täglich auf den Fernsehschirmen vorüberlaufen, angelegt zu sein. Ebenso in der Lust der Populärkultur am Schock, die seit Generationen von der Walt-Disney-Erziehung gepflegt wird. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen unter der wohlfahrtsstaatlichen Ordnung weit mehr hoffnungsvolle Erwartungen grünten als heute, in denen konservative Politiker und Unternehmer nicht ständig die Gebetsmühlen des Fortschrittsoptimismus vorantrugen, war der Stupor, die plötzliche Gemütserstarrung, eine seltene Erscheinung der Kulturverfassung.

Heute kommt die permanent lachende Popkultur ohne die ständige Wiederholung von Schockzuständen nicht aus. So gibt es ein humorvolles Verhaltenstraining in allen Schichten, um eine Zukunft in Kollaps und Panik zu antizipieren.“

Quelle:

¦ Claus Koch:

„Der neue Phosphoros“, Analysen und Entgegnungen,

104. Ausgabe


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