Glosse

Genial daneben: der Literaturnobelpreis an einen Unbekannten

Kultur

Falter & Meinung | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Eines muss man den Herren der Schwedischen Akademie lassen: Ihre Entscheidungen sind unterhaltsam. Jedes Jahr, wenn sie den Literaturnobelpreisträger bekanntgeben, geht ein Raunen durchs Feuilleton: Was ist das wieder für eine bizarre Wahl? Angesichts von Jean-Marie Gustave Le Clézio lautet die Frage nun gar: Wer ist denn der?

Befremdlich wirkt der Ätsch-Faktor, nach dem die Akademie zu handeln scheint. Die halbe Welt will einen Preis für Philip Roth oder Thomas Pynchon? Dann kriegen die ihn mal sicher nicht. Unpopuläre Entscheidungen zu fällen geht ja in Ordnung. Doch gäbe es bedeutendere „Unbekannte“ auszugraben als Le Clézio. Sympathisch ist der Mann allerdings. Seine erste Reaktion: „Ich weiß nicht, ob ich den Nobelpreis überhaupt verdient habe.“


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