Die Stimme aus dem Abgrund

Medien | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Der ORF-Reporter Friedrich Orter erzählt uns, wie banal Krieg ist, wenn man ihn ganz aus der Nähe erlebt

Porträt: Sibylle Hamann

Dann stand er also knapp vor Kabul. Die Taliban flohen eben Hals über Kopf aus der Stadt, die Kämpfer der Nordallianz harrten auf den richtigen Moment zum Einmarsch, der Wind pfiff über die Ebene, und bei Fritz Orter rumorte es im Gedärm. Ein paar Dollarnoten besaß er noch, der Akku des Satellitentelefons war leer, die Ruhr jagte Fieber durch seinen Körper, und sein Übersetzer war weg. „Das war’s dann wohl, hab ich mir gedacht.“

Der Übersetzer, der den ORF-Reporter bis hierher begleitet hatte, von der tadschikischen Grenze durchs Pandschir-Tal, über Gebirgspässe und durch Flussfurten, war ein 15-jähriger Bursch. Er hatte sich ein paar Jahre älter gemacht, um diesen Job zu kriegen, und von seiner Familie offenbar den Auftrag bekommen, den Westler auf der Reise auszunehmen, solange der noch etwas in der Tasche hatte. Jetzt hatte der Westler nichts


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