Technik

Tastatur, mon amour – selbst wenn sie uncool ist

Dinge, die uns brauchen

Medien | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Prüfbericht: Thomas Vasek

Es gibt Erfindungen, die bleiben. Trotzig stemmen sie sich dem Fortschritt entgegen. Und werden sie totgesagt, leben sie erst recht weiter. Zum Beispiel die Tastatur. Die Entwickler mobiler Geräte haben alles versucht, um sie abzuschaffen, von Bedienstiften bis zur Spracherkennung. Als Palm-Nutzer musste man sogar eine dämliche Krakelschrift erlernen. Befriedigend war das alles nicht. Tastaturen nehmen Platz weg, man braucht sie nicht zum Navigieren – und uncool sind sie auch. Andererseits eignet sich nichts so perfekt zum Schreiben von Texten. Insofern hielt ich den Blackberry bislang für ein nahezu optimales Gerät: komfortabler E-Mail-Zugang, ein großes Display, kein überflüssiger Schnickschnack – und vor allem eine ausgereifte Tastatur, auf der man flink tippen kann. Das nächste Blackberry-Modell „Storm“ ist in dieser Hinsicht ein Fehltritt. Um mit Apples iPhone konkurrieren zu können, kommt es mit Touchscreen statt mit Tastatur. Wie fast jedes neue Gadget, vom iPod bis zur Digitalkamera. Persönlich halte ich berührungsempfindliche Displays für eine Modetorheit. Allerdings werden sie unsere Nutzung digitaler Geräte dramatisch verändern. Die Bedienung wird zum Spiel, das Schreiben zur Arbeit: Der Anschlag auf die Tastatur ist auch ein Anschlag auf den Text. Ironischerweise bleibt beim Blackberry Storm der Tastenanschlag erhalten: Wer mit den Fingern navigieren möchte, muss das ganze Display niederdrücken. Der Touchscreen – eine einzige Taste.

Thomas Vasek ist Chefredakteur des PM-Magazins und rezensiert für den Falter jede Woche Mediengadgets


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