Enthusiasmuskolumne

Ein herrlich verrückter Haufen

Diesmal: Das beste Ensemble der Welt der Woche

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Als Andreas Beck voriges Jahr die Leitung des Wiener Schauspielhauses übernahm, machte er das Theater in der Porzellangasse wieder zu einer Bühne für zeitgenössische Dramatik. Das war seine zweitbeste Idee. Die beste war, dass der neue Intendant auch wieder ein festes Ensemble etabliert hat. Es besteht nur aus drei Damen und drei Herren, mehr kann sich eine Mittelbühne wie das Schauspielhaus nicht leisten. Aber diese sechs Schauspielerinnen und Schauspieler – die meisten davon waren in Wien vorher nicht bekannt – haben das Publikum binnen kürzester Zeit erobert.

Auch in den ersten beiden Inszenierungen der neuen Saison präsentierte sich das halbe Dutzend als eingeschworenes Team für alle Fälle. Innerhalb von nur einer Woche hatten im Schauspielhaus zwei inhaltlich zwar verwandte, formal aber denkbar verschiedene Stücke Premiere: „Schwarzes Tier Traurigkeit“ von Anja Hilling ist der sprachlich hochkonzentrierte Bericht von einer Brandkatastrophe; „Die Mountainbiker“ von Volker Schmidt ist ein mit viel Gespür für groteske Situationen geschriebenes Beziehungsdrama.

Beide Stücke haben ihre Tücken. Aber sie werden von diesen Schauspielerinnen und Schauspielern mit einer Lässigkeit und einem Spielwitz auf die Bühne gestellt, als wäre überhaupt nichts dabei.

Es gibt für Schauspieler angenehmere Arbeitsplätze als das Schauspielhaus, wo man alle paar Wochen ein neues Stück spielt und nie in einer klassischen Rolle glänzen kann. Aber wenn die souveräne Katja Jung, die kühle Bettina Kerl und die schnippische Nicola Kirsch, der jungenhafte Vincent Glander, der schräge Steffen Höld und der fiebrige Max Mayer auf der Bühne stehen, sieht es so aus, als hätten sie den besten Job der Stadt.

Diese sechs Schauspieler sind ein so ansteckend verspielter und herrlich verrückter Haufen, dass man nicht müde wird, ihnen zuzusehen.Gut, dass es im Schauspielhaus jeden Monat eine Premiere gibt.


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