Ruth Klügers „unterwegs verloren“: Chronik der laufenden Zumutungen


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

„Und immer wieder die Frage, warum? Weil man mit Frauen und Juden so umspringen kann? Die Frau als Opfer, der Jude als Frau.“ Diese Frage könnte als Motto über Ruth Klügers jüngstem Buch stehen, das Erinnerungen an die Nachkriegszeit in den USA, und, später dann, auch in der Alten Welt versammelt.

Schon der Titel von Klügers Autobiografie „weiter leben“ stand für jene unsentimentale und illusionslose Haltung, die die Weichzeichneroptik der Altersmilde ebenso verweigert wie die Heroisierung der eigenen Biografie: Gemeint war, wie die Autorin nun erklärt, „dass das Weiterleben von alleine kommt und man nichts dazu tun muss, außer dem Umgebrachtwerden zu entgehen“.

Klüger, die unter anderem an der renommierten Universität von Princeton deutsche Sprache und Literatur unterrichtete (und von den männlichen Kollegen belächelt und in ihrer Karriere behindert wurde), ist nicht willens, über Kränkungen und Ungerechtigkeiten, die ihr widerfuhren, hinwegzusehen. Einem Kollegen,

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