Nüchtern betrachtet

Meine alljährliche Herbsthommage

Feuilleton | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Im Sommer hatte mich meine Westwiener Bankfiliale angerufen und um persönlichen Kontakt gebeten. Die Angst, die mich sofort erfasste – wenn Geldinstitute von sich aus realphysische Begegnungen initiieren, kann das wenig Gutes bedeuten –, war unbegründet; es ging nur um die Auszahlung eines Bausparvertrags, den abgeschlossen zu haben ich mich nicht mehr erinnern konnte. Bei dieser Gelegenheit bedeutete mir meine Kontokontaktfrau auch, dass ich auf meiner Save & Cash Card ein bisschen viel Geld rumliegen hätte.

So sind Banken: Wiegen bedenkenträgerisch das Haupt, wenn alles im Lot ist, und reden alles schön, wenn’s grammelt und kracht. Wo das Problem läge? Nun, für diese Form der Anlage bekäme ich, Moment mal, gerade mal drei Prozent. Klingt gut, meinte ich. Außerdem sehe ich es gerne, wenn Geld auf meinem Konto liegt. Es fühlt sich sicher wohler, wenn es da bloß rumfläzt, anstatt

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