Ins Mark

Zeit zu wachsen

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter

Wirtschaftsforscher prognostizieren ein Nullwachstum und beinahe jedem Wochentag wird bereits das Attribut „schwarz“ beigestellt. Graz hat unterdessen seine eigene kleine Finanzkrise: In der Stadtkasse klafft ein Loch von einer Milliarde Euro. Mit der globalen Krise hat das ausnahmsweise nichts zu tun, Graz hat das ganz alleine geschafft. Jetzt heißt es schrumpfen: die Bezirksämter zusammenlegen, Stadtsenat und Gemeinderat verkleinern. Daneben friert die Stadt auch das Sozialbudget ein, die zuständige Stadträtin Elke Edlinger meint, sie könne damit ihre gesetzlichen Pflichtausgaben nicht mehr decken und müsse freiwillige Leistungen wie Subventionen, Hauskrankenpflege und Behinderten-Taxi ersatzlos streichen.

Um ihre Mobilität keine Sorgen machen müssen sich hingegen konsumwillige Grazer. VP-Bürgermeister Siegfried Nagl will eine „überdachte Rolltreppe“ zwischen Jakominiplatz und Hauptbahnhof einrichten. Für 1,6 Millionen Euro sollen dort die Grazer gratis mit der Straßenbahn fahren. Die Innenstadtläden wird aber die „überdachte Rolltreppe“ nicht füllen, denn wer weiter als bis zum Ende des Gratisabschnitts fahren will, muss den vollen Preis bezahlen. Schon die 550.000 Euro teure Graz-Bonus-Karte hat den Innenstadt-Händlern bekanntlich null Wachstum gebracht. Dafür wächst der Speckgürtel weiter, profitiert von der städtischen Infrastruktur, beteiligt sich aber nicht an den Kosten. Der Speckgürtel muss Graz werden – mollig ist schön und brächte in diesem Fall bares Geld. Doch dafür müssten die Stadt, ihre Regierer und die Ortskaiser im Umland endlich über sich hinauswachsen.


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