Phettbergs Predigtdienst

Kerne, Kirche, Küche: Ritualien erfüllen mich

Kolumnen | aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Hermes Phettberg führt seit 1992 durch das Kirchenjahr

Gehören Kürbiskerne leicht gesalzen, wie es die Firma Spar nur anbietet, oder gehören sie ungesalzen, wie bei Billa? Zuerst stürmte ich zu den ungesalzenen, denn Salz ist ungesund, dachte ich mir, aber seit ich Tag und Nacht Lulu muss und Mel mir sagte, wenn du kein Lulu haben willst, dann musst du leicht gesalzene zu dir nehmen.

Nun hab ich eine Schale links mit gesalzenen und eine Schale rechts mit ungesalzenen. Dazu trink ich. Denn alles darf ich, nur zu wenig trinken darf ich nicht, das ist mir von der Ärzteschaft eingebläut. Und da ich leben will, ohne Ende weiterleben, egal wer regiert, Hauptsach ich darf weiterleben.

Seit dem Schlaganfall bild ich mir ein, nur durch mein gesundes Leben ist es mir gelungen zu überleben. Ich bin so gesund, dass ich zu Fuß zu allen meinen Gesundheiten gegangen bin. Ich bin sogar zum Schlaganfall gegangen, ohne eine Sekunde Ohnmacht. Immer sitz ich allein da und fresse, aber selbst in meinen ärgsten Phasen fraß ich unendlich viel, doch ich aß jeden Tag eine Karotte, einen Apfel, ein Joghurt, doch ich fraß ohne Ende.

Jetzt beginne ich sogar dem nun gezeichneten Bilde in der Kolumnen-Kolumne nachzueifern. Denn ich hatte bis jetzt nur einen Oberlippenbart. Noch schizophräniere ich an mir herum, ob ich einen neuen Rasierapparat kaufen soll oder die Barthaare frei strömen lassen soll. Ich lass mich sicher nicht vorher irgendwo blicken. Denn eitel bin ich wie nur was.

Seit ich den letzten Bauchrest mir wegoperieren ließ, in der plastischen Chirurgie der Barmherzigen Schwestern auf der Gumpendorfer Straße, diagonal von mir, bin ich Fanatiker der Krankenhauskapelle. Da geh ich jeden Samstag in die Vorabendmesse, ohne an eine Gottheit glauben zu können. Nur wenn ich samstags schamanisch reisen gehe, kann ich das nicht, denn wir gehen schamanisch reisen. Und Riten brauch ich!

Ich krieg jetzt auch das Essen von der Krankenhausküche. Die kochen so gut, dass sich mein Vater im Grab umdrehen würde, dass sein Sohn es karrieremäßig so weit brachte. Denn er liebte die Hollabrunner Krankenhauskost. Und ich setze seinen Weg fort. Nichts ist besser als Krankenhauskost, sagen Vater und Sohn Phettberg, unisono.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige