Realitätsverlust unterm Kopfhörer

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Der Komponist Peter Ablinger taucht tief in die Welt der Geräusche ein – und fördert Erstaunliches zutage

Werkporträt: Sebastian Kiefer

Wer in der Kunst modern oder avanciert sein wollte, musste sich lange Zeit strengen ethischen Maximen unterwerfen: Er musste seine Wahrnehmungsgewohnheiten „durchbrechen“; sich der Produktionsverfahren „bewusst“ werden; Deutungskonventionen „überwinden“. Nur: Konventionen bewusst machen und neue Sichtweisen entwickeln, das kann ein Psychotherapeut ebenso gut. Und: Wozu sollte man eigentlich Konventionen aus sich heraustreiben, als wären sie eine Sünde? Irritation und Änderung sind doch keine Werte an sich.

Wenn man nun sagte: Überwinde deine Wahrnehmungsweise, spreng deine Deutungsmuster, damit du eine verborgene Wahrheit erfährst – dann illustrierte man eine metaphysische Doktrin oder reproduzierte uralte theologische Motive. Man würde wiederum nicht sagen, was daran kunstspezifisch sein soll.

Der Komponist Peter Ablinger (geb. 1959)


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