„Warum traut sich da keiner ran?

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Dem Komponisten Enno Poppe sind die Tabus und Klischees der Neuen Musik suspekt

Text: Carsten Fastner

Holz“, „Knochen“, „Öl“. „Salz“, „Scherben“, „Gold“. „Wand“, „Trauben“, „Rad“. „Herz“, „Wespe“, „Tier“. – Kein anderer zeitgenössischer Komponist findet für seine Musik Titel von derart schlichter Beredtheit wie Enno Poppe. Auf dem Stückemarkt der Avantgarde, die ihre Werke gern betont intellektuell (Bernhard Lang: „Differenz/Wiederholung 20 – con complicatione: Hermetica“ für Knabenchor, 2008), forciert poetisch (Michael Jarrell: „… chaque jour n’est qu’une trêve entre deux nuits“, 1990) oder schnöde technisch (Peter Ablinger: „Drei Minuten für Orchester“, 2003) benennt, ist solch ein bildmächtiger Reduktionismus sicherlich auch das, was in der Sprache des Marketings ein Alleinstellungsmerkmal hieße.

Den Klischees der Avantgarde geht Poppe freilich nicht nur auf dem Titelblatt, sondern vor allem auch in seinen Kompositionen


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