Traummusik und Algebra

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Der Mathematiker und Musiker Tony Conrad sucht die Auflösung des Zeitempfindens

Werkporträt: Christian Höller

La Monte Young war schuld. Hätte der Altmeister der Minimal Music nicht irgendwann beschlossen, die alleinige Urheberschaft der Ensemblestücke des Theatre of Eternal Music zu beanspruchen, vielleicht wäre auch Tony Conrad, zumindest als Musiker, allmählich in Vergessenheit geraten. So aber schien es nur allzu legitim, dass Conrad, von 1963 bis 1966 Mitglied des Theatre, mit seiner Version der Geschichte an die Öffentlichkeit trat und Mitte der 90er-Jahre musikalisch dort ansetzte, wo die Praxis des „Dream Syndicate“ (so Conrads Bezeichnung für die damalige Gruppe) dreißig Jahre zuvor geendet hatte.

Seither ist der Violinist und Mitbegründer des Minimalismus zurückgekehrt auf eine Bühne, die häufig mehr im Kunstfeld angesiedelt ist als im klassischen E-Musik-Bereich. Was einerseits mit der stilistischen Vehemenz seiner Stücke zu tun haben mag, andererseits auch mit


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