Der Sternenhimmel über den Müllbergen

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Im Dreck der Großstadt findet Sebnem Isigüzel außergewöhnliche Menschen – und die ganze Welt

Text: Verena Mayer

Die Müllhalde von Istanbul, wie sie die 1973 geborene Autorin Sebnem Isigüzel beschreibt, ist ein Ort der Extreme. Schmutz findet sich neben Schmuck, Kaviar neben Kadavern. Und erst die Leute, die auf der Müllhalde ihr Dasein fristen: junge Frauen, Männer mit Säbeln, Verrückte und Verirrte, ein Arzt, der mit Organen handelt, ein verkanntes Genie. „Der Müllplatz war die eine Welt, die mit nichts in der normalen Welt vergleichbar war, aber dennoch war sie die Essenz des Lebens.“

Die „Königin“ der Müllmenschen ist Leyla. Einst war sie eine talentierte Schachspielerin, die Kasparow kannte und ihre Gegner mit einer Taktik bezwang, die man „Leylas Wind“ nannte. Nach dem Tod ihrer Eltern aber kommt sie zu Verwandten, Angehörigen der Istanbuler Oberschicht, die Schach für ein gefährliches, weil kommunistisches Spiel halten. Leyla muss es aufgeben und heiratet


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