Mit den Frauen geht auch die Seele des Landes

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Text: Georg Renöckl

Die Augen eines geliebten Menschen sehen bei ihm aus „wie frisch gemahlener Kaffee“, Stimmen klingen „würzig“, Freude fühlt sich an „wie aufflatternde weiße Tauben“. Der Vergleich mit den Geschichten aus „Tausendundeiner Nacht“ und ihrer heiteren Erotik mag sich aufdrängen, doch erzählt Murathan Mungan in „Tschador“ vom genauen Gegenteil: In dem kurzen Roman geht es nicht um Lebenslust, sondern um deren brutale Unterdrückung.

Sinnlich, üppig und poetisch ist nur die Sprache, in der der 53-Jährige vom Schicksal eines jungen Mannes namens Akhbar erzählt. Dieser kehrt nach langen Jahren im Ausland in sein vom Krieg zerstörtes Heimatland zurück, das unschwer als das Afghanistan zu Zeiten des Taliban-Regimes zu erkennen ist.

Akhbar findet seine Heimat nicht wieder. Im Elternhaus wohnen abweisende Fremde, Nachbarn und Bekannte sind weggezogen oder tot, ihre Häuser und Läden wurden von frühzeitig gealterten jungen Männern übernommen. Die Gerüche


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