Im Bonbonpalast riecht es nicht sehr gut

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Mit ihrem letzten Roman hat sich Elif Shafak Schwierigkeiten eingehandelt. Nun ist sie vorsichtig geworden.

Text: Jörg Magenau

Einen Roman von hinten zu beginnen ist normalerweise keine gute Idee. Elif Shafaks „Der Bonbonpalast“ ist aber so angelegt, dass man das tun kann, ohne allzu viel vorwegzunehmen. Denn die Geschichte verläuft kreisförmig. Man kommt, wie der namenlose Ich-Erzähler behauptet, „von jedem beliebigen Punkt hinein, denn einen verbindlichen Start gibt es nicht“. Ganz am Ende aber verrät er, dass er in einem türkischen Gefängnis sitzt, nachdem er bei einer politischen Demonstration am 1. Mai 2002 in Istanbul verhaftet wurde. Mehr als ein Jahr hat er abzubrummen, und so beginnt er zu erzählen, um sich die Zeit zu vertreiben.

Lüge, Wahrheit, Fantasie und Erzählkunst sind dabei untrennbar miteinander verbunden. Die Geschichte eines Hauses und seiner Bewohner könnte bloße Erfindung sein. Auch am kultivierten Selbstbild des Erzählers als gutaussehender, geschiedener


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