Gleichschritt zerstört Gleichgewicht

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Große europäische Literatur: „Das Uhrenstellinstitut“ von Ahmet Hamdi TanpInar (1901–1962)

Text: Ulrich Rüdenauer

Ideen muss man haben. Hayri Irdal hat meistens keine, gerät aber immer wieder in Situationen, die ihn aus Lebensverlegenheiten retten oder gar die Karriereleiter hinaufstolpern lassen. Er verbringt seine Zeit in Istanbuler Kaffeehäusern, mit Alchemisten, Mystikern, Weltverbesserern und anderen schrägen Vögeln, während das alte Osmanische Reich untergeht und die Türkei neuen, kemalistischen Zeiten entgegensteuert.

Hayri wundert sich zuweilen gehörig darüber, dass er mehr Glück als Verstand hat. Über die Dreistigkeit seiner Mitmenschen rätselt er auch. Das hindert ihn allerdings nicht daran, an deren Fantasiegebilden mitzubauen. Hayri Irdal, geboren zum Tagedieb, wird langsam zum Pragmatiker und bleibt doch ein einfacher Mann ohne große Leidenschaften, ein im Grunde melancholischer Typ, der immer auf dem schmalen Grat zwischen Tragik und Komik entlangbalanciert


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