Und Balram ging nach Bangalore

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Aravind Adiga liefert einen neokolonialen Gesellschaftsentwurf in der Maske des Bildungsromans

Text: Christian Zillner

Schonungslos schildert der in Mumbai lebende Korrespondent der Financial Times Aravind Adiga in seinem ersten Roman „Der weiße Tiger“ das Indien der Gegenwart. Der Roman hat die Form einer Serie von Briefen an den chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao. Allerdings verliert der Autor bald das Interesse an dieser immer fadenscheiniger wirkenden Konstruktion. Der eigentliche Adressat, so scheint es, ist ein Publikum, das seine Vorstellungen von Indien aus Ayurveda-Therapien bezieht und dem der Autor gern das „wahre Indien“ zeigen möchte.

Erzählt wird die Geschichte eines armen Dorfjungen aus „der Finsternis“, wie der Autor die ländlichen Regionen Indiens nennt. Die Darstellung weckt Erinnerungen an Dante: Der erste Kreis der indischen Hölle umfasst die Küstengebiete, von dort geht es Ring für Ring landeinwärts bis in den neunten Kreis, dem Sitz der indischen


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