Weit gegangen, aber zu kurz gegriffen

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Dave Eggers versucht, das Schicksal eines sudanesischen Exilanten als Doku-Fiktion aufzuarbeiten

Text: Stephan Steiner

Weit gegangen“ beginnt mit einem geschickten erzählerischen Schachzug: Ein sudanesischer Flüchtling, der erst vor kurzem Aufnahme in den USA gefunden hat, wird ausgerechnet von Afroamerikanern in seiner Wohnung überfallen, misshandelt und seiner wenigen Habseligkeiten beraubt. Während er zusehen muss, wie ihm ein Stück nach dem anderen weggenommen wird, beginnt er zu assoziieren und erinnert sich seiner Lebensstationen, die von Vertreibungen, Massakern, Gewaltmärschen und Lagern bestimmt waren.

Als „lost boy“, als Jugendlicher ohne elterliche Begleitung, hatte er sich in den 80er-Jahren vom Südsudan über Äthiopien nach Kenia durchgeschlagen, ehe er ab 2001 in den USA eine nicht immer verständnisvolle, jedoch grundsätzlich freundliche Aufnahme fand. Mit einem Schlag wird nun durch den Raub die gerade vage erfolgende Wiedereinübung in eine Normalität brüchig.


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