Flucht aus dem Paradies der Werktätigen

15.10.2008

Mit „Adam und Evelyn“ erzählt Ingo Schulze das Ende der DDR nach bekanntem Schnittmuster neu

Text: Tobias Heyl

Und plötzlich, nach 40 Jahren des Wartens, waren die Tore zum Paradies weit geöffnet. Wochenlang hatten tausende Bürger der DDR im Sommer 1989 auf ungarischen Campingplätzen, in Pensionen und Privatquartieren ausgeharrt. Viele von ihnen waren eigentlich nur gekommen, um Urlaub zu machen.

Der 19. August sollte ihr Tag werden: Ein großes Loch tat sich auf im Eisernen Vorhang, der schon seit dem Frühjahr porös geworden war. Hunderte krabbelten hindurch auf die burgenländische Seite, um von dort aus in die Bundesrepublik weiterzureisen, die ihnen jahrzehntelang als das Paradies auf Erden erschienen war.

Dass das Loch im ungarischen Maschendraht den Zusammenbruch der Berliner Mauer vorwegnehmen sollte, hat damals glücklicherweise niemand so richtig geahnt: Sonst hätte man sich in Ostberlin und Moskau möglicherweise Gegenmaßnahmen ausgedacht. Dort interpretierte man die

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