Ein Scrabble-Weltmeister im Badezimmer

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Die Protagonisten in den Romanen von Jean-Philippe Toussaint sind Virtuosen des Scheiterns

Werkporträt: Tabea Soergel

Jean-Philippe Toussaint ist der Juniorweltmeister des Jahres 1973 im Scrabble. Das ist nicht nur als sportliche Leistung bemerkenswert, das sollte man sich auch dringend vor Augen führen, bevor man eines seiner Bücher aufschlägt. Denn in ihnen wird der Leser mit allem konfrontiert, was einen verdienten Scrabble-Weltmeister ausmacht. Melancholie und Peinlichkeit, bizarre Komik und Akkuratesse, Analytik und zärtliche Hingabe.

Mit seinen frühen Romanen hat Toussaint absurde, hochkomische Kleinode in der Tradition des Nouveau Roman vorgelegt, die von der Kritik völlig zu Recht irgendwo zwischen Kafka und Beckett eingeordnet werden. Das Ende dieser Frühphase markiert „Fernsehen“, das nun in der Frankfurter Verlagsanstalt wiederaufgelegt worden ist. Ein Kunsthistoriker mit Berlin-Stipendium und ernstem Motivationsproblem trifft eine folgenschwere Entscheidung: ein für


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