Schuld und Sühne in den Straßen von Shanghai

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

In „Die unsichtbare Fotografin“ überspannt Elisabeth Reichart den Bogen vom Nazi-Opa bis zum Genozid in Ruanda

Text: Georg Renöckl

Elisabeth Reicharts Romane haben etwas Unerbittliches. Immer wieder zeigen sie, wie die Fassaden scheinbar mustergültiger oder zumindest unverdächtiger Existenzen zerbröckeln, wenn sich eine vergessen geglaubte Schuld ihre Bahn bricht. Ihr literarisches Debüt gab die promovierte Historikerin mit „Februarschatten“ (1984), einem Roman über die jahrzehntelang totgeschwiegene „Mühlviertler Hasenjagd“, und auch ihre jüngeren Werke drehen sich um verdrängte Täter- oder Mitwisserschaften. So weit aber will es Alice, die Hauptfigur von Reicharts neuem Roman, gar nicht kommen lassen.

Die erfolgreiche Wiener Fotografin führt ein unstetes Leben zwischen Metropolen wie Shanghai, New York und Tokio und macht dabei einen großen Bogen um Krieg, Verbrechen und Leid. Ihr Ziel: „All das Schöne auf dieser herrlichen Erde festhalten.“ Doch der bedingungslose


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