Ein Leben in der Endlosschleife

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Die Liebe in Zeiten des „Office on Missing Persons and Forensics“: Anna Kims Roman „Die gefrorene Zeit“

Text: Nicole Streitler

Der Titel des zweiten Romans der 1977 in Südkorea geborenen und in Wien lebenden Anna Kim bringt eine Erfahrung auf den Punkt, die jeder kennt, der liebt: Die Zeit, die wir vom Geliebten getrennt sind, erscheint uns als fahl und leer, ja sie scheint mitunter überhaupt stillzustehen. Erst in der neuerlichen Begegnung mit dem Geliebten tauchen wir wieder ein in den Fluss der Zeit (und der Erzählung).

Kim überträgt diese existenzielle und fast alltägliche Erfahrung auf eine Extremsituation: Luans Frau Fahrie ist während des Kosovokriegs verschwunden. Seither gilt sie als vermisst. In der Perspektive der Erzählung heißt das: seit sieben Jahren.

„Gegenwart und Zukunft sind aus dir amputiert, Reste sind noch da, Phantomexistenzen, sie beschweren sich, wann immer du, und sei es nur für einen Augenblick, auf den Schmerz vergisst, dein Leben eingefroren in


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