Reise ins strahlende Reich der Finsternis

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Karl Schlögel schrieb einen grandiosen Essayband über „Terror und Traum“ im Moskau des Jahres 1937

Text: Alfred Pfoser

Ein historischer Reiseführer? Karl Schlögels Buch über das Moskau von 1937 legt auf den ersten Blick eine solche Nutzung nahe: Auf den inneren Coverseiten ist nach Art eines alten Baedeker ein historischer Stadtplan wiedergegeben, dessen eingeringelte Nummern auf die Hotspots verweisen und die Schlögel dann in den einzelnen Kapiteln als Stadtreporter ansteuert. Darunter sind natürlich die klassischen Adressen der Politik wie der Kreml, der Rote Platz oder das Hotel Lux, in dem die prominenten Polit-Emigranten wohnten. Nicht fehlen dürfen die klassischen Kulturbauten wie das Bolschoi-Theater, in dem 1937 der Geheimdienst Tscheka den 20. Geburtstag feierte, oder das Konservatorium, in dem Schostakowitschs Fünfte Symphonie aufgeführt wurde.

Schlögel führt uns auch zur neuerrichteten kulturellen Infrastruktur, zu den modernen Kinopalästen, zum konstruktivistischen


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