Die Verstellung blüht in flachen Hierarchien

15.10.2008

Adam Soboczynski empfiehlt die Selbstverstellung als Lebenseinstellung. Seine Selbstgefälligkeit ist unverstellt

Text: Klaus Nüchtern

Einen hübscheren Titel wird man diesen Herbst nicht finden, ein hübscher gemachtes Buch auch kaum. Dass es nicht schon längst erschienen ist, liegt wohl an dem bekannten Umstand, dass die Eulen der Minerva ihren Flug erst in der Dämmerung beginnen. Denn der naive Glaube an eine Authentizität, die noch die größte Plumpheit und Rüpelhaftigkeit als genuinen Ausdruck des eigenen, ach so schillernden Selbst durchgehen lässt, hat längst abgedankt.

Gegen den hilflosen Traditionalismus einer sich selbst als „Neo-“ missverstehenden Bürgerlichkeit, die nun wieder zum Benimmbuch greift und die Messerbänkchen aus der Schublade holt, setzt der Zeit Magazin-Redakteur und Erfolgsautor („Polski Tango“) Adam Soboczynski auf die gute alte Verstellungskunst und greift dabei auf Baldassare Castigliones Vorstellung vom Uomo universale ebenso zurück wie auf

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