Unsichtbare Hand, eiserne Faust

aus FALTER 42/08 vom 15.10.2008

Der Soziologe Loïc Wacquant schrieb eine zornige Studie über die brutale Kriminalisierung von Armut

Text: Robert Misik

Verbrecher, Marodeure, Delinquenten allüberall. „Es kann jeden treffen“, so die allgemeine Auffassung. Beinahe-Totschlag in der Münchner U-Bahn, Totschlag in Wien im Drogenrausch. Der Boulevard liefert uns den täglichen Kitzel. Für die Politik ist es ein gefundenes Fressen. „Volle Härte“, plakatierte Österreichs Volkspartei im vergangenen Wahlkampf. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schaffte seinen kometenhaften Aufstieg, weil er sich als „Law and Order“-Politiker positionierte. Aus den USA kommen seit Jahren Politikrezepte mit schneidigem Namen: „Zero Tolerance“ oder „Three Strikes And You Are Out“. „Nulltoleranz“ fordert auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Das heißt: Kriminalitätsbekämpfung, brutalstmöglich.

Eine neue Straflust schleicht sich ein, ein „Gefahren-, ja Katastrophendiskurs“, so der aus Frankreich stammende,


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