Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Exemplarisch zeigt der Unfall-Fall Jörg Haiders den Verfall der Öffentlichkeit, der auch darin besteht, dass die Grenzen zwischen Öffentlichem, dem Ort der Politik, und Privatem verwischt werden. In der Neuen Zürcher Zeitung erschien kürzlich dazu ein Aufsatz, in dem es hieß: "Was im Bereich der Unterhaltungsprominenz notdürftig als, Win-win'-Situation beschrieben werden kann - die Unterhaltungsprominenz erhöht ihren Marktwert, die Medien ihre Quoten, und wir mögen unterhalten werden -, wird bei demjenigen Führungspersonal in Politik und Wirtschaft, das auf medienvermittelte öffentliche Aufmerksamkeit auf seinen Vorderbühnen des Handelns angewiesen ist, nicht nur zu seinem, sondern auch zu unserem Problem. Denn in diesem Prozess wird das Private zugleich mit dem Öffentlichen zerstört.

Diese Zerstörung bedeutet die Erosion der Chancen des besseren Arguments im öffentlichen Raum, weil immer mehr Privates die Debatten um das Allgemeingültige beeinflusst. Das Private, mehr noch das aufgedeckte oder inszenierte moralische Defizit des politischen wie des ökonomischen Führungspersonals eignet sich nicht für eine öffentliche Debatte. Charakterdarstellungen, Charakterurteile, Skandalisierungen und Home-Storys kann man zur Kenntnis nehmen, aber genauso wie bei Geschmacksurteilen kann man nicht vernünftig darüber streiten. Überzeugung durch gute Argumente wird durch Affekte für oder gegen jemanden ersetzt."

Quelle:

Kurt Imhof: Die Gefährdung der Öffentlichkeit durch entbettete Medien. Neue Zürcher Zeitung vom 3.10.2008


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